Ich bin ein Scanner – klingt komisch, ist aber so

Scanner, dieses Wort setzt man doch eher in Verbindung mit einem Gerät zur Digitalisierung oder vielleicht auch mit einem Horror-Film aber Eigenschaft oder Fähigkeit für einen außergewöhnlichen Menschen? Eher nicht.

Betrachten wir die anderen Worte hierfür wird es vielleicht etwas verständlicher: Multipotential, Vielbegabt, kreativer Chaot, … 

Scanner ist also jemand der vieles kann, kreativ ist aber auch ein Chaot.

Auf den ersten Blick nicht schlimm, aber in unserer Gesellschaft der Regeln und Gesetze, der Normalisierung und der Anpassung hat es der Scanner nicht immer leicht.

Der Vielbegabte lebt von der Abwechslung, er liebt es immer wieder neues auszuprobieren und für ihn ist der Weg das Ziel. Wie lange er bei einer Sache bleibt ist sehr unterschiedlich. Es kann sich um Wochen, Monate oder Jahre handeln aber es können gewisse Themen auch immer wieder auftauchen.

Der Scanner hat ein gewisses Level welches er bei einer Sache erreichen will. Sei es nur oberflächliche Information, der Weg bis zum ersten Lernplateau* oder alles zu dem Thema zu wissen das er als Interessant empfindet. Ist dieses Level erreicht wird die Sache langweilig und er sucht eifrig nach neuem.

Bei diesem Level kann es sich darum handeln eine gewisse Tätigkeit auszuüben, zum Beispiel für ein paar Monate Mitglied in einem Sportverein zu sein. Einfach um zu sehen wie es ist. Das erste Lernplateau kann auch ein Level sein an dem der Scanner sein Ziel zu dieser Sache erreicht hat.

 

Aufgrund dieses Verhaltens wird einem Vielbegabten leider immer wieder nachgesagt er sei Sprunghaft, bringt nie etwas zu Ende, hat keine Ausdauer und so weiter. Das schlimmste was man zu einem Scanner sagen kann ist:

„Jetzt bleib doch endlich mal bei einer Sache dran!“.

Vielbegabte die sich selbst bereits Erkannt haben empfinden diesen Satz fast als persönliche Beleidigung. Andere Vielbegabte kann dieser Satz in Verzweiflung versetzen, denn im Vergleich zu allen anderen Mitmenschen mit dem einen tollen Hobby ist man selbst auf der Suche und kommt auf keinen grünen Zweig.

Vielbegabte sollten in der heutigen schnelllebigen Zeit eigentlich ideal zurechtkommen aber leider wird dem „an einem Thema dranbleiben“ immer noch viel zu viel Bedeutung  beigemessen.

Vielbegabte blühen auf wenn sie sich in ein neues Thema einarbeiten können und leben von den neuen Dingen. Routine ist da leider meist hinderlich oder einfach nicht so möglich wie für einen Nicht-Scanner. Wenn die Ideen nur so sprudeln fällt es oft schwer den Überblick zu behalten, deshalb sind viele Scanner Meister im Listen-schreiben. Sich einen Kalendereintrag fürs Einkaufen oder Rasenmähen zu setzen klingt für manche lächerlich aber für einen Vielbegabten ist es oft die Einzige Möglichkeit eine gewisse Struktur in den Alltag zu bringen und Routine-Tätigkeiten zu erledigen, so bleibt Zeit für den Ideensprudel.

 

*Lernplateau: Ein Lernplateau ist quasi das erste Level an Stagnation wenn etwas neues erlernt wird. Bekanntlich ist die Lernkurve bei etwas neuem für eine gewisse Zeit recht steil, bis sie abflacht und kaum Fortschritte passieren. Dieses Plateau ist oft ein Grund um aufzugeben. Für den Scanner ist das einfach oft der Punkt wo die „Kosten-Nutzen Rechnung“ nicht mehr passt.